Aus europäischer Perspektive war Afrika bis ins angehende 20. Jahrhundert ein Mysterium. Kein anderer Kontinent lag so nah und war doch so unbekannt. Besonders eindringlich zeigt sich die europäische Unkenntnis beim Betrachten der Afrika-Karten vergangener Jahrhunderte. Die sprichwörtlichen „weißen Flecken“ auf der Landkarte – hier sind sie zuhause.
In Wirklichkeit war der Kontinent jedoch keinesfalls so isoliert, wie man glaubte. Durch die Sahara gab es schon früh regen Handel, jedoch ohne direkte Beteiligung Europas, wo in Ermangelung präziser Informationen ein Bild Afrikas auf der Grundlage von Fantasie, Spekulation und Hörensagen entstand. Während Reiseberichte kaum nachprüfbar waren, wurde Bildern weit authentischere Qualität zugesprochen, insbesondere die Fotografie. Diese entwickelte sich nicht nur schnell zu einem effektiven Propagandainstrument in den Händen europäischer Kolonisatoren, sondern es entstand auch früh eine eigenständige afrikanische Fotografie-Tradition mit eigenen Motiven und Stilen.